Wie Du mit drei einfachen Checks prüfst, wo Dein Gebäude blinde und sehbehinderte Menschen besser führen sollte

Ich betrete ein großes Gebäude zum ersten Mal. Die Eingangshalle ist offen, das höre ich am Hall. Mein Langstock tastet über glatten Boden, nichts gibt mir eine Richtung vor.
Nach wenigen Schritten weiß ich nicht mehr, ob ich noch geradeaus gehe. Wer blind ist, kann ohne Hilfen nicht einfach mehrere Meter exakt geradeaus gehen. Schon kleine Abweichungen führen vom Weg ab.
Für alle, die Gebäude oder Außenanlagen betreiben, ist das kein Randthema. Besucher, Kunden und Mitarbeiter sollen sich sicher und selbstständig zurechtfinden, und zwar vom ersten Schritt an.
Die Hürde beginnt direkt hinter der Eingangstür
Taktile Leitsysteme sind Bodenmarkierungen mit fühlbarer Struktur. Man spürt sie mit dem Langstock und unter den Füßen. Sie bestehen aus zwei Bausteinen:
- Leitlinien sind Längsrillen, die wie eine Schiene den Weg vorgeben, auch durch Kurven und Abzweigungen.
- Aufmerksamkeitsfelder sind Noppen, die auf besondere Stellen hinweisen, etwa Kreuzungen, Eingänge, Aufzüge oder Treppen.
Zusammen ergeben sie ein System, das durchgehend Orientierung bietet.
Planung, Normen und Gestaltung
Für die Planung gibt es klare Vorgaben, zum Beispiel die DIN 32984 für Bodenindikatoren im öffentlichen Raum, die DIN 18040 für barrierefreies Bauen und die DIN EN 17210 mit europäischen Anforderungen an Barrierefreiheit. Auch kommunale Bauordnungen oder Förderprogramme können Vorgaben machen. Einheitliche Systeme funktionieren überall gleich, im Bahnhof, im Bürogebäude, im Einkaufszentrum und in der Außenanlage.
Moderne Systeme gibt es in vielen Materialien und Farben, innen zum Beispiel aus Edelstahl, Messing oder Aluminium, außen aus Beton, Naturstein oder witterungsbeständigem Kunststoff. So passen sie zur Umgebung. Für Veranstaltungen gibt es auch befristete Lösungen, die sich rückstandsfrei wieder entfernen lassen.
Drei Checks für Dein Gebäude
Diese Checks zeigen Dir, ob und wo Dein Gebäude Orientierung braucht, auch wenn es noch keine Leitlinien gibt. Du brauchst dafür kein Fachwissen. Bitte eine Person, Dich zu begleiten und zu sichern, wenn Du mit geschlossenen Augen gehst.
1. Geradeauslauf
Gehe zu einem Startpunkt, zum Beispiel an einer Tür. Suche Dir einen Zielpunkt aus, den Du nur erreichst, wenn Du geradeaus läufst, zum Beispiel eine weit entfernte Tür. Laufe den Weg mit geschlossenen Augen. Wo kommst Du an?
2. Durchgängige Führung
Laufe von der Eingangstür aus zu den Zielen in Deinem Gebäude, die Deine Gäste erreichen müssen. Wo führen Wege über längere Strecken geradeaus, oder unerwartet um eine Ecke? Wo gibt es Kreuzungen und Abzweigungen?
3. Tastbar und sichtbar
Leitlinien geben auch Menschen mit Sehbehinderung eine zusätzliche Orientierung. Dafür müssen die Leitstreifen mit einem hohen Kontrast gut sichtbar sein, und sie müssen sich tastbar vom Bodenbelag unterscheiden. Prüfe, ob alle Entscheidungsträger damit einverstanden wären. Denke dabei auch an den Architekten des Gebäudes, der bei einer solchen baulichen Veränderung eventuell ein Mitspracherecht hat.
Der wirtschaftliche Nutzen barrierefreier Leitsysteme
Ein Leitsystem macht blinde und sehbehinderte Menschen unabhängiger. Deine Mitarbeiter müssen nicht jeden Gast einzeln führen, und Besucher kommen gern wieder, weil sie sich bei Dir sicher fühlen. Das stärkt Dein Ansehen bei Kunden, Besuchern und Mitarbeitern.
Barrierefreiheit ganzheitlich weiterdenken
Taktile Leitsysteme sind ein wichtiger Baustein, aber nicht der einzige. Tastbare Beschilderung ergänzt sie baulich, und digitale Hilfen können im Gebäude zusätzlich Orientierung geben. Darum geht es im Beitrag der nächsten Woche. Genauso wichtig ist das Mindset im Team, damit Mitarbeiter das System kennen und es nicht zustellen.
Dein nächster Schritt
Die drei Checks von oben geben Dir einen ersten Eindruck. Für einen vollständigen Überblick über Dein Gebäude, und darüber hinaus, biete ich Dir den Accessibility Business Check an. Davor schauen wir in einem kostenlosen Erstgespräch gerne gemeinsam auf Deine Situation.
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Weiterführende Links
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