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© Antje Kern

InkluCity: Barrierefrei ans Ziel kommen

Lena R. sitzt im Rollstuhl am Schreibtisch. Blick an ihr vorbei auf den Monitor mit der Website von InkluCity. Zeichnung KI-generiert

Ein Square-Dance-Special in einer unbekannten Sporthalle. Die Veranstaltung beginnt um 13 Uhr. Um teilnehmen zu können, muss ich erstmal einige Fragen klären:

  • Wie komme ich vom Bahnhof dorthin?
  • Wie finde ich den Eingang?
  • Ist die Beschilderung für mich erkennbar?
  • Wie sieht es innerhalb des Gebäudes aus?

Für Menschen mit Behinderungen beginnt eine Veranstaltung mit der Frage, ob sie ihr Ziel überhaupt selbstständig erreichen können. Genau an dieser Stelle setzt InkluCity an.

Informationen, die bisher an vielen Stellen fehlen

InkluCity soll eine digitale Infrastruktur für Informationen zur Barrierefreiheit werden. Das Ziel ist einfach erklärt: Du wählst einen Ort aus. InkluCity zeigt Dir, wie Du möglichst barrierefrei dorthin kommst und was Dich am Ziel erwartet.

Das betrifft nicht nur Rollstuhlfahrer. Auch blinde und sehbehinderte Menschen, Menschen mit Höreinschränkungen, ältere Menschen, Pflegekräfte oder Eltern mit Kinderwagen benötigen verlässliche Informationen.

Ist der Aufzug am Bahnhof in Betrieb? Gibt es am Eingang eine Treppe? Wie breit ist die Tür? Wie ist innerhalb des Gebäudes eine Orientierung möglich? Gibt es Informationen für Menschen mit Höreinschränkungen?

Solche Angaben sind heute auf viele verschiedene Quellen verteilt. Oder sie sind nicht mehr aktuell. InkluCity will diese Informationen zusammenführen, prüfen und für die persönlichen Anforderungen des Nutzers aufbereiten.

Die Barriere kann unterwegs entstehen

Eine Route kann am Morgen noch funktionieren und am Nachmittag bereits unbrauchbar sein. Ein defekter Aufzug reicht aus, damit ein geplanter Weg für einen Menschen im Rollstuhl nicht mehr möglich ist.

Als sehbehinderter Mensch kenne ich ein ähnliches Problem. Eine Baustelle, eine schlecht abgesicherte Fläche oder ein unerwartetes Hindernis kann eine bekannte Strecke plötzlich und deutlich verändern.

InkluCity wird deshalb nicht nur vorhandene Daten auswerten. Auch die Nutzer sollen aktuelle Hindernisse melden können. Wird beispielsweise ein defekter Aufzug gemeldet, erscheint zunächst eine Warnung. Bestätigt ein weiterer Nutzer die Störung, ist der betroffene Knotenpunkt als „gesperrt“ gekennzeichnet; es wird eine alternative Route vorgeschlagen.

Das Prinzip erinnert mich an Geocaching. Wird ein versteckter Cache von einem Nutzer nicht gefunden, bedeutet das noch nicht, dass er verschwunden ist. Melden mehrere Nutzer nacheinander dasselbe Problem, wird die Information deutlich verlässlicher.

Die Community als Teil der Lösung

Keine zentrale Stelle kann jederzeit überprüfen, ob jeder Aufzug funktioniert, jede Baustelle richtig erfasst wurde und jeder Eingang zugänglich ist.

Deshalb braucht InkluCity eine aktive Community. Menschen melden Veränderungen, bestätigen Hinweise und helfen damit anderen Nutzern. Ergänzend sollen sogenannte Data-Scouts Informationen an wichtigen Orten erfassen und überprüfen.

Das ist Selbsthilfe im praktischsten Sinne.

Auch Vereine können dazu beitragen. Square-Dance-Veranstaltungen finden häufig in Sporthallen, Bürgerhäusern, Schulen oder Gemeindezentren statt. Die Mitglieder vor Ort kennen diese Gebäude meistens sehr gut. Sie wissen, welcher Eingang genutzt werden muss, ob eine Stufe vorhanden ist oder an wen man sich bei Fragen wenden kann.

Werden diese Informationen einmal strukturiert erfasst, helfen sie nicht nur einem einzelnen Tänzer. Sie können auch bei Konzerten, Versammlungen, Kursen oder anderen Veranstaltungen im selben Gebäude genutzt werden.

Die Nutzung soll grundsätzlich kostenfrei bleiben

Eine Infrastruktur dieser Größe muss finanziert werden. InkluCity verfolgt deshalb einen wirtschaftlichen Ansatz.

Wichtig aber ist: Für die Menschen, die eine barrierefreie Route oder Informationen über einen Zielort benötigen, werden die grundlegenden Funktionen kostenfrei bleiben. Eine Anmeldung wird ebenfalls nicht erforderlich sein.

Das ist mir wichtig. Teilhabe darf nicht davon abhängen, ob ein Mensch bereit oder finanziell in der Lage ist, für notwendige Informationen zu bezahlen.

InkluCity befindet sich noch im Aufbau

Die Idee ist umfassend. Entsprechend groß ist die Aufgabe. InkluCity ist noch nicht als fertige Anwendung verfügbar. Derzeit werden die fachlichen und technischen Grundlagen ausgearbeitet.

Der nächste wichtige Schritt ist ein Prototyp. Damit soll erstmals praktisch gezeigt werden, wie das System funktioniert.

Dafür benötigt das Team weitere Unterstützer, Netzwerkpartner und Investoren. Ebenso wichtig sind Menschen, die ihre Erfahrungen einbringen und helfen, die Anforderungen aus unterschiedlichen Perspektiven zu überprüfen.

Denn Barrierefreiheit entsteht nicht allein durch Technik. Sie entsteht, wenn Informationen barrierefrei verfügbar, verständlich und verlässlich sind.

Wenn Du InkluCity fachlich unterstützen, das Projekt in Deinem Netzwerk bekannt machen oder einen geeigneten Kontakt vermitteln kannst, lohnt sich der Austausch mit dem Team. Vielleicht beginnt bessere Teilhabe mit genau dieser Verbindung.

Kontakt zu InkluCity

Christian Renz

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