Wie Anbieter von Online-Fortbilungen mit drei einfachen Checks mehr Zugänglichkeit erreichen.
Es gibt heute viel mehr Anbieter, die ihre Fortbildungen in Online-Formaten anbieten, als noch vor 2020. Das ist ein großer Vorteil für viele Menschen, die behinderungsbedingt in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Das bedeutet aber nicht, dass Online-Formate selbst barrierefrei sind.
Die barrierefreie Umsetzung fängt schon mit der Auswahl des Videokonferenz-Systems (VKS) an. Von diesen gibt es inzwischen eine große Anzahl. Die Kernfunktionen sind gleich, aber darüber hinaus hat jedes seine Stärken und Schwächen. Eine weit verbreitete Schwäche ist die unzureichende Barrierefreiheit. Wenn dann ein VKS auch noch DSGVO-konform sein soll, wird die verfügbare Auswahl klein.
Die Bedürfnisse an Barrierefreiheit sind dabei bei Menschen mit eingeschränkter Sinneswahrnehmung unterschiedlich. Für erblindete Teilnehmer müssen das Login und die Bedienung danach ohne PC-Maus, mit Tastatur und Screenreader, funktionieren. Für Teilnehmer mit Sehbehinderung sind große und kontrastreiche Bedienelemente wichtig. Für Menschen mit eingeschränktem Hörvermögen ist eine gute Tonqualität ebenso hilfreich wie die Einblendung von Live-Untertiteln. Letztere können auch für gehörlose Teilnehmer hilfreich sein, sind aber im Vergleich zu einer Dolmetschung in Gebärdensprache nur die zweitbeste Lösung.
Die Hürde entsteht während der Veranstaltung
Ein Webinar, zu dem ich mich angemeldet habe. Zur verabredeten Zeit logge ich mich ein. Im Bild der Teilnehmer werden Vor- und Nachnamen angezeigt, aber man einigt sich schnell auf das Du als Anrede. Wenn dann zum Beispiel am Anfang in der Vorstellungsrunde der Name nicht einmal vollständig gesagt wird, erschließt sich mir dieser nicht.
Der Referent teilt seinen Bildschirm, eine Folie erscheint, alle sehen sie, nur ich nicht. Mein Screenreader hat nichts vorzulesen, die Folie bleibt für mich stumm. Bildschirmfreigaben, interaktive Elemente und Video-Inhalte sind für einen Screenreader nicht zugänglich.
Als blinder Nutzer erlebe ich das bei Online-Formaten regelmäßig. Was sehende Teilnehmer sofort erfassen, bleibt für mich unzugänglich, wenn niemand es zusätzlich in Worte fasst. Weil die Präsentation von sehenden Menschen für sehende Menschen erstellt wurde, spricht der Referent in aller Regel auch so. Besonders beliebte Wörter sind dabei „da“ und „hier“. Das wird besonders inhaltsleer, wenn zum Beispiel die Funktion einer Software gezeigt wird. Typische Formulierung ist dann: „Dann klicke ich hier und dann klicke ich da, …“.
Das Ende der Online-Veranstaltung ist dann meistens so, dass zum Schluss für Menschen mit Behinderungen kaum Zeit bleibt, um sich den Chat herunterzuladen. Denn nichtbehinderte Teilnehmer schaffen das deutlich schneller und an diesen orientiert sich die Zeitspanne, in der dies möglich ist.
Für Anbieter von Online-Fortbildungen, wie zum Beispiel Beratungs- und Trainingsfirmen, ist das kein Randthema. Wer Webinare, virtuelle Trainings oder E-Learning-Kurse anbietet, will, dass alle Teilnehmer wirklich folgen können.
Drei Checks für Deine Online-Formate
Du musst dafür kein technisches Vorwissen haben. Diese drei Checks kannst Du selbst durchführen.
1. Bildschirmfreigabe:
Beschreibst Du, was auf einer geteilten Folie oder einem geteilten Bildschirm zu sehen ist, oder gehst Du davon aus, dass alle es sehen? Ein kurzer gesprochener Hinweis reicht oft schon, zum Beispiel, welche drei Punkte auf der Folie stehen. Starte eine Deiner letzten Aufzeichnungen, bei der Du etwas präsentierst. Wende Dich soweit vom Monitor ab, dass Du die Aufzeichnung nur hörst. Versuche, ob Du die Präsentation inhaltlich vollständig verstehen kannst.
Optional kannst Du dabei auf einem Notizblock zwei Strichlisten für die Wörter „hier“ und „da“ führen, wenn dies von Dir danach im Video nicht näher erklärt wird. Ich bin sicher, Du wirst über das Ergebnis überrascht sein.
2. Interaktive Elemente.
Umfragen, Whiteboards oder Breakout-Räume lassen sich in vielen Tools nur mit der Maus bedienen. Prüfe, ob Du sie auch nur mit der Tastatur erreichst und bestätigst.
3. Video und Ton.
Enthalten Deine aufgezeichneten Kurse Untertitel für Menschen mit Höreinschränkung? Und hat das Video zumindest für Deine Stimme eine gute, verständliche Tonqualität?
Der wirtschaftliche Nutzen barrierefreier Online-Formate
Wenn Teilnehmer einem Webinar nicht folgen können, brechen sie ab, oder sie melden sich erst gar nicht zu einem zweiten Termin an. Für Anbieter von Online-Fortbildungen mit wiederkehrenden Formaten bedeutet das verlorene Folgebuchungen.
Barrierefreie Online-Formate erweitern außerdem Deine Zielgruppe. Du erreichst dann auch Teilnehmer, die an Präsenzterminen aus behinderungsbedingten Gründen nicht teilnehmen können.
Barrierefreiheit ganzheitlich weiterdenken
Online-Formate stehen selten allein. Anmeldung mit Bezahlvorgang, Kursunterlagen und das Format selbst gehören zusammen. Erst wenn alle drei Bereiche funktionieren, kommt ein Teilnehmer wirklich vollständig durch Dein Angebot. Wenn Du und Deine Mitarbeitenden dafür das richtige Mindset haben, ist das die beste Voraussetzung für barrierefreie Angebote zur Fortbildung.
Dein nächster Schritt
Die drei Checks von oben geben Dir einen ersten Eindruck. Für einen vollständigen Überblick über Deine Online-Formate, und darüber hinaus, biete ich Dir den Accessibility Business Check an. Davor schauen wir in einem kostenlosen Erstgespräch gerne gemeinsam auf Deine Situation.
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