Wie Anbieter von Fortbildungen zusätzliche Teilnehmer gewinnen
Ein Anmeldeformular für eine Fortbildung. Zehn Felder, ein Dropdown ohne Beschriftung. Für viele Interessierte ist genau hier schon Schluss, lange bevor der erste Kurstag beginnt.
Als blinder Nutzer erlebe ich das selbst. Mein Screenreader liest das Formular nicht sauber vor. Ich kann nicht erkennen, was in ein Feld gehört, oder ich komme mit der Tastatur an einer Stelle nicht weiter. Dann breche ich die Anmeldung ab. Nicht aus Desinteresse, sondern weil der Prozess mich ausschließt.
Für Anbieter von Fortbildungen ist das kein Randthema. Denn unsere Gesellschaft wird älter und vielfältiger. In den nächsten Jahren wird die Generation der Babyboomer in Rente gehen. Diese haben dann mehr Zeit, um etwas zu lernen, was sie interessiert. Diese werden altersbedingt jedoch die eine oder andere Einschränkung haben. Trotzdem wollen sie sich weiterbilden und dafür an Kursen teilnehmen. Wenn Dein Bildungsangebot dann künftig barrierefrei ist, erreichst Du mehr Menschen und verlierst weniger Teilnehmer unterwegs.
Die erste Hürde entsteht vor dem ersten Kontakt
Barrierefreiheit bei Bildungsangeboten wird oft zuerst beim Kursraum gedacht. Dabei entscheidet sich vieles schon vorher, bei Deinem Anmelde- und Buchungsprozess. Wenn das Formular nicht barrierefrei funktioniert, kommt der Interessent gar nicht erst bis zum Kurs.
Drei Checks für Deinen Anmeldeprozess
Du musst dafür kein technisches Vorwissen haben. Diese drei Checks kannst Du selbst durchführen.
Erstens, Tastaturbedienung:
Rufe die Webseite mit Deinem Anmeldeformular auf und mache keinen Klick mit der Maus auf die Seite. Bewege Dich nur mit der Tab-Taste vorwärts und fülle das ganze Formular einmal aus, ganz ohne Maus. Bleibt der Fokus irgendwo hängen, vor dem Formular, an einem Button, einem Dropdown oder einem Datumsfeld? Wenn ja, dann bleibt auch Dein Kunde hängen.
Zweitens, Beschriftung:
Prüfe, ob jedes Feld ein echtes Label hat, das ein Screenreader vorliest. Ein Platzhaltertext allein reicht nicht. Klick auf den Beschriftungstext neben dem Feld, nicht in das Feld selbst. Springt der Cursor danach ins Eingabefeld, oder setzt sich bei einer Checkbox das Häkchen, ist das Label im Code fest mit dem Feld verknüpft. Genau diese Verknüpfung braucht auch der Screenreader, um das Label vorzulesen.
Das ist für blinde Nutzer wichtig. Für Nutzer mit einer Sehbehinderung sind gute Kontraste viel wichtiger. Die Formularfelder sind für diese aber oft kaum zu erkennen.
Drittens, die Captcha-Falle:
Dein Interessent konnte das Formular mehr oder weniger gut ausfüllen. Am Ende hast Du das Absenden mit einem visuellen Captcha gesichert, um Dich vor Spam zu schützen. Verzerrte Schriftzeichen oder eine Bildauswahl können aber nur sehende Interessenten bedienen. Alle, die dafür zu schlecht sehen, schließt Du damit auch aus.
Der wirtschaftliche Nutzen barrierefreier Anmeldeprozesse
Ein barrierefreier Anmelde- und Buchungsprozess ist zuerst eine wirtschaftliche Entscheidung, dann erst eine gesetzliche. Jede abgebrochene Anmeldung ist ein Teilnehmer, ein Mitglied oder eine Buchung weniger. Bei Kursanbietern mit hohem Anmeldeaufkommen kann sich das zu Umsatzverlusten summieren, die Du zunächst nicht mitbekommst. Denn nur die wenigsten werden sich deshalb beschweren.
Wenn Du Kurse anbieten willst, die mit öffentlichen Mitteln gefördert werden sollen, kann es Dir passieren, dass Du die Förderung nur bekommst, wenn Dein Angebot digital barrierefrei ist. Wenn Dein Angebot dann nicht barrierefrei ist, schließt Du Dich von der Förderung aus. Dieser Verlust ist für Dich schneller spürbar.
Barrierefreiheit ganzheitlich weiterdenken
Mit einem barrierefreien Anmeldeformular ist der Weg nicht zu Ende. Nach der Anmeldung folgen weitere Kontaktpunkte, der Zugang zum Gebäude, die Orientierung vor Ort, das Gespräch mit Mitarbeitenden. Wenn nur ein Teil dieses Kundenerlebnisses nicht barrierefrei ist, bleibt Dein Kunde weiterhin auf eine Begleitperson oder auf angemessene Hilfen von Dir oder Deinen Mitarbeitenden angewiesen.
Deshalb lohnt sich der ganzheitliche Blick auf digitale Barrierefreiheit, bauliche Barrierefreiheit und das Mindset der Mitarbeitenden. Denn nur so kannst Du Selbstbestimmung und Teilhabe bei Deinen Kunden mit Behinderung wirkungsvoll fördern.
Dein nächster Schritt
Die drei Checks von oben geben Dir einen ersten Eindruck. Für einen vollständigen Überblick über Deinen Anmelde- und Buchungsprozess, und darüber hinaus, biete ich Dir den Accessibility Business Check an. Davor schauen wir in einem kostenlosen Erstgespräch gerne gemeinsam auf Deine Situation.
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