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Kurt Jacobs: Respektvolle Begegnungen

Dr. Imke Troltenier

Warum ist es für blinde Menschen besonders wichtig, dass jedes Ding seinen ordentlichen Platz hat? Darf man Witze machen über Menschen mit Behinderungen? Wie kann man Hilfe respektvoll anbieten? Ob jung oder alt – viele Menschen fühlen sich gehemmt im Umgang mit beeinträchtigten Mitbürgerinnen und Mitbürgern. Manch eine lässt ihren Voreingenommenheiten freien Lauf, manch anderer ist verunsichert und sieht betreten weg – der Weg zu einem selbstverständlichen, aufgeklärten Miteinander ist vielerorts noch weit.

„Fürsorge und Bevormundung wurden und werden von behinderten Menschen nicht länger als Handlungsmaxime vonseiten der nichtbehinderten Gesellschaft geduldet und durch das Lebensziel ‚Selbstbestimmung und volle soziale Partizipation‘ ersetzt“, erklärt Professor Kurt Jacobs. Der engagierte Behindertenbeauftragte der Stadt Hofheim am Taunus legt mit seinem jüngsten Werk den Fokus auf den Artikel 8 der UN-Behindertenrechtskonvention. Unter dem Titel „Respektvolle Begegnungen“ informiert die Publikation über Sichtweisen von Menschen mit unterschiedlichen Formen von Behinderungen, sie stellt Perspektiven vor und erläutert Positionen und Probleme. Die Beiträge seiner Mitarbeiter Irene Alberti, Andrea Bröker und Michael Herbst unterstreichen die Bedeutung der Bewusstseinsbildung eindrücklich. Frei davon, den „moralischen Zeigefinger“ zu erheben, geht es dem Autor vor allem um das Überwinden mentaler Barrieren.

Die lesenswerte Lektüre richtet sich an alle, die mit einem angemessenen und unbefangenen Umgang selbst aktiv zum Gelingen einer inklusiven Gesellschaft beitragen möchten. So viel sei schon vorab verraten: Dass möglichst jedes Ding seinen ordentlichen Platz hat, ist eine wichtige Regel, die blinde Menschen in ihrer Unabhängigkeit unterstützt. Witze? Warum nicht: „Sonderschonungsrechte“, so der Leitfaden, brauche es nicht, stattdessen wartet er mit humorvollen „Kostproben“ auf. Und respektvoll Hilfe anbieten ist nicht schwer: Mit „gut gemeint“ ist es allerdings nicht getan. „Fragen Sie also die Person, ob sie Hilfe braucht und wie Sie ihr helfen können, denn das weiß der oder die Betroffene meist selbst am besten.“

Kurt Jacobs, Respektvolle Begegnungen gemäß Artikel 8, Bewusstseinsbildung, BRK, Berlin 2014, 156 Seiten, ISBN 978-3-9814923-3-0. Die Publikation ist zu beziehen über die Stiftung Rehabilitationszentrum Berlin-Ost, Allee der Kosmonauten 23b, 10315 Berlin. Eine DAISY-Version ist zum Preis von 10 Euro bei atz Hörmedien für Sehbehinderte und Blinde e. V. erschienen. Bestellmöglichkeiten: Tel.: 05531 / 7153, E-Mail: atz@blindenzeitung.de

Quelle: horus, Ausgabe Nummer 3 in 2014
Herausgeber:

Deutscher Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf e.V. (DVBS)

und

Deutsche Blindenstudienanstalt e.V. (blista)

Weitere Informationen der Stiftung Rehabilitationszentrum Berlin-Ost

Inhalt

1. Die neue Sichtweise von „Behinderung“ gemäß der UN-Behindertenrechtskonvention als Baustein zur Bewusstseinsbildung, Seite 16

2. Erst einmal fragen – dann eventuell helfen! Seite 19

2.1 Eine nicht erfundene Anekdote, Seite 19

3. Die menschliche Sprache als das umfassendste und differenzierteste Kommunikationsmedium, das den Menschen in seiner Einzigartigkeit auszeichnet, Seite 27

3.1 Grundsätzliches, Seite 27

3.2 Journalistische Tipps, Seite 29

3.2.1 Hilflose, Opfer und Sorgenkinder, Seite 29

3.2.2 Menschen, die ihre Behinderung heldenhaft überwinden, Seite 34

3.2.3 Blinde Kuh trifft Taube Nuss – Metaphern von Behinderung, Seite 36

3.3 Das vergiftete Lob, Seite 38

3.4 Bedarf der Umgang mit behinderten Menschen einer besonderen Sprache? Seite 41

3.5 Darf man über Menschen mit Behinderung Witze machen?, Seite 43

4. Begegnungen zwischen Menschen mit und ohne Behinderung, Seite 45

4.1 Begegnungen zwischen blinden Menschen und Menschen ohne Behinderung, Seite 45

4.1.1 Eindeutige Sprache als Orientierungshilfe und als Medium zur Wahrnehmung der Welt, Seite 45

4.1.2 In verschiedenen Lebensfeldern, Seite 49

4.1.3 Im öffentlichen Leben, Seite 57

4.2 Begegnungen zwischen sehbehinderten Menschen und Menschen ohne Behinderung, Seite 71

4.2.1 Sehbehinderung – ein schwer fassbares Phänomen, Seite 71

4.2.2 Allgemeine Empfehlungen zum angemessenen Umgang, Seite 75

4.2.3 Hinweise für sehbehinderte Patienten zur Vorbereitung des Arztbesuchs, Seite 79

4.2.4 Michael Herbst: Leben mit Retinopathia Pigmentosa, Seite 80

4.3 Begegnungen zwischen körperbehinderten Menschen und Menschen ohne Behinderung, Seite 88

4.3.1 Grundsätzliches, Seite 88

4.3.2 Irene Alberti: Kritische Überlegungen einer betroffenen Rollstuhlnutzerin zum (un-)angemessenen Umgang, Seite 91

4.4 Begegnungen zwischen schwerhörigen und gehörlosen Menschen und Menschen ohne Behinderung, Seite 98

4.4.1 Grundsätzliches, Seite 98

4.4.2 Zum angemessenen Umgang, Seite 100

4.5 Begegnungen zwischen kognitiv beeinträchtigten Menschen (Menschen mit Lernschwierigkeiten) und Menschen ohne Behinderung, Seite 103

4.5.1 Grundsätzliches, Seite 103

4.5.2 Angemessene Umgangsformen, Seite 105

4.6 Begegnungen zwischen sprachbehinderten Menschen und Menschen ohne Behinderung, Seite 111

Published inUN-Konvention
© Copyright by Stephan Jacobs 2015